Urlaub in Bahia

Die FAZ gibt einen netten Einblick über Urlaub in Bahia und somit bei mir „um die Ecke“:

Die Affen wissen ganz genau, dass sie etwas Verbotenes tun. Sie lauern im Gebälk des offenen Restaurants, tänzeln nervös auf den Streben und schauen die Gäste mit ihren großen Augen so verschreckt und schuldbewusst an wie Kinder, die beim Naschen von Süßigkeiten aus dem Küchenschrank erwischt worden sind. Doch von Reue ist keine Spur, ganz im Gegenteil. Bei der kleinsten Gelegenheit fallen sie wie der Blitz über die Tische her, plündern sie in Sekundenschnelle, rasen dann wieder auf die Dachbalken und verschlingen mit dem Heißhunger der Gier ihre Beute. Das Personal lässt sie gewähren, nur ab und zu wedelt ein Kellner müde mit einer Serviette oder stellt das Tonband mit den Adlerstimmen lauter, die den Plünderern Angst einjagen sollen. Aber die Affen lachen nur über solche plumpen Täuschungen. Denn sie wissen nicht nur, dass sie Verbotenes tun, sondern auch, dass ihnen hier im Tivoli Ecoresort Praia da Forte niemals eine Strafe für ihre Schandtaten droht.

Die zahlenden Besucher und die kostenfrei logierenden Gäste haben dieselben Rechte in dem Luxusökohotel, das einsam in einem riesigen Park an einem zwölf Kilometer langen, von Kokoskitschpalmen bestandenen Strand im Nordosten Brasiliens liegt. Seinem ökologischen Credo verleiht es architektonisch allerdings nur sehr dezent Ausdruck. Das Hotel sieht nicht viel anders aus als vergleichbare Häuser, spart trotz aller Palmstrohdächer und Bambusbänke nicht mit Beton, leistet sich ein palastartiges Spa, bietet in ausladenden Pools Wassergymnastik für übergewichtige Wohlstandsbrasilianer wie in einem Ferienclub und bringt die Urlauber auch nicht in verstreuten Robinson-Hütten mit Hängematte unter, sondern in zweistöckigen Gebäuderiegeln mit Klimaanlage. Auf den zweiten Blick erkennt man aber sofort den Anspruch des Hauses. Überall bitten Schilder darum, die vielen frei herumlaufenden Tiere nicht zu füttern. Streng verboten ist es, die Liegen direkt am Strand aufzustellen, weil das die Eier in den Nestern der Meeresschildkröten gefährden könnte. Nachts wird auf laute Musik und grelle Beleuchtung verzichtet, denn das würde die schlüpfenden Tiere verwirren und sie in Richtung Bar statt ins Meer krabbeln lassen. Und spätestens wenn ein dackelgroßer Leguan mit einer fast schon herablassenden Selbstverständlichkeit den Weg kreuzt, hat auch der Letzte begriffen, dass hier die Schöpfung keinesfalls der Untertan des Menschen ist.

Der ganze Artikel für Interessierte bei der faz.

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